25 April, 2009

9-Kräuter-Sirup

Vorgestern kam der segenreiche Regen als es dunkel wurde und hielt fast den ganzen gestrigen Tag an. Es ist immer noch etwas kühl seitdem, aber die Sonne scheint schon wieder. Es hat den Wiesen sichtlich gut getan.
Morgen bin ich auf die Geburtstagsfeier meines Bruders eingeladen und wie immer wusste ich nicht recht, was ich ihm schenken sollte. Deshalb gibt es was selbst Gemachtes ;-)
Eigentlich sollte es der Frühlingstrunk werden, weil der ihm ja so gut geschmeckt hat, aber seine Frau ist grad schwanger, und es erscheint mir irgendwie fies ihm da Wein zu schenken, den sie erst gegen Weihnachten wieder trinken dürfte. Meine Liköre und anderen Weine fallen also ebenfalls aus. Ich habe mich entschieden, einen Sirup zu machen.

Die Herausforderung hier war, nur Kräuter zu verwenden, die auch für Schwangere unbedenklich sind. Fast alle meine Rezepte haben nämlich irgendwo Salbei, Muskat, Ingwer, Wacholder ect. drin. Ich habe also meine Kräuter durchstöbert und mir eine Liste gemacht was lecker ist und unbedenklich. Brennesseln wollte ich aber auch, und die hatte ich nicht mehr vorrätig. Zum Glück gibt es in einem nahen Waldstück Unmengen davon, schön abgasfrei.
Als ich also mit meinem Körbchen im Dickicht stand und ein paar junge Brennesseln pflückte wurde ich Zeuge des folgenden Gesprächs zwischen zwei alten Männern, die mich interessiert beobachteten.
"Du, wos macht'n de do?"
"Wer?"
"De Frau do."
"I glaab de suacht wos."
"Naa, de sammet."
"Wos denn? Schwammal? Hähä."
"Naa, i glaab Brennesseln."
"Wos? Wiaso des denn?"
"Woas i aa ned."
"Komisch."
"Jo. Komisch."
Ich liebe den bayrischen Dialekt und die neugierigen Leute hier ;-)
Und alle die bis hierhin durchgehalten haben, sollen nun auch das Rezept für meinen 9-Kräuter-Sirup bekommen.

Kräutersirup
Man nehme:
-Löwenzahnblüten
-junge Brennesseln
-Gänseblümchenblüten
-Pfefferminze
-Melisse
-Kamillenblüten
-Schlüsselblumenblüten
-Ackerschachtelhalm
-Lindenblüten
und bringe sie mit 1 1/2 l Wasser zum Kochen.
Das Ganze gut 20 min köcheln lassen, dann abseihen, ausdrücken, und die Flüssigkeit zurück in den Topf geben. 1 kg weissen Kristallzucker hineinrühren und aufkochen lassen. Wenn sich Schaum bildet, diesen sorgfältig abschöpfen.
Etwas Ascorbinsäure (Vitamin C) dazugeben und in Flaschen abfüllen.

Nehmt ruhig viel von den Kräutern her, es wird nachher eh wieder verdünnt. Mein Sirup ist so dunkel wie Fichtenhonig geworden und ich habe eine gute Handvoll Kräuter abgeseiht.

Heute Abend lass ich den Sirup stehen und morgen wird er nochmal gefiltert und kommt dann in eine gut ausgespülte Olivenölflasche. Die hat schon diese Dosierhilfe aus Plastik dabei und wird dann noch schön dekoriert.

14 April, 2009

Georgi-Ritt

Der Georgi-Ritt in Traunstein findet traditionell am Ostermontag statt. Dabei ziehen Pferde samt ihren Reitern prächtig geschmückt durch die Stadt und dann zum Ettendorfer Kircherl - einer Georg und Anna Kapelle - hoch, das übrigens auf einem keltischen Heiligtum erbaut wurde. Man kann vermuten, dass dieser Brauch auf vorchristliche Riten zurückgeht...


Sieht wunderschön aus, nicht? Bis dahin bin ich aber nicht mitgegangen. Die Messe musste ich mir jetzt echt nicht geben :-P Aber ich werde diesen Sommer mal den Ort selbst besuchen und sehen wie es sich anfühlt. Vielleicht ist ja noch genug vom alten Zauber übrig.

Um heute Vormittag überhaupt in die Innenstadt zu kommen musste man allerdings Eintrittsgeld zahlen, wofür man eine froschgrüne und sehr detailreiche Brosche bekam. Zuerst hat es mich etwas geärgert, aber als ich dann den Aufwand bedachte - Polizeisperren an den Straßen, ein Fahrzeug der Stadtreinigung um hinter den Pferden aufzuräumen, Sanitäter für den Notfall und was weiß ich noch alles - da fand ich es dann ganz ok.


Zuerst konnte man den Schwerttanz bewundern, dann ging der Ried los. Ich hatte das Glück (?) nah an der Straße in zweiter Reihe zu stehen, knapp hinter einer Kurve. Und jedes Pferd das anfing zu tänzeln oder unruhig wurde schien mit dieser Straßenseite ein Problem zu haben, woraufhin es grundsätzlich rückwärts in meine Richtung stampfte *lucky me* - und da waren Schlachtrößer dabei! So toll es war nahe dran zu sein, war es doch nicht ganz ungefährlich, und ich bin ehrlich froh, dass kein Pferd durchgegangen ist.


Mir war nicht bewusst, dass es einen Georgsverein gibt. Ich hatte auch nicht erwartet, dass sich da tatsächlich einer als Georg verkleidet. Aber toll sah es doch irgendwie aus.


Dann spielten drei Männer in Renaissancekleidung direkt vor uns ganz toll auf der Trompete. (Ich glaube das sind keine richtigen Trompeten, aber ich bin zu dumm um zu wissen wie das richtig heißt und zu faul zum googeln.) Die Pferde waren dabei unfassbar brav wenn man bedenkt dass sie voll beschallt wurden, und bloß der, der mir am nächsten war, versuchte seinen Kopf aus der Schußlinie zu ziehen.



Man konnte ein ganzes Heer Landsknechte bewundern, und sogar jemanden in Vollrüstung auf Pferd...muss das heiß gewesen sein.


Es gab süße scheckige Pferde... (sieht fast aus, als hätte es Sommersproßen ;-)


..Pferde mit riiieeeesigen Füßen...


..Reich geschmückte Pferde...


..Pferde mit Extensions ;-) ...


..Perde mit richtig aufwändigen Perücken...


..Pferde die Kutschen zogen und/oder Häubchen trugen...


..und es gab viele gewandete Reiter mit richtig tollen Kostümen.

Traunsteiner Schwerttanz

Der Traunsteiner Schwerttanz ist ein etwa zwanzigminütiges Schauspiel, in dem der Winter durch Schwerter bezwungen und vom Frühling besiegt wird. Seit sechzig Jahren wird er traditionell am Ostermontag vor und nach dem Georgi-Ritt aufgeführt. Der Schwerttanz an sich ist aber viel älter. Wen es interessiert, der kann sich hier einlesen.

Die Darsteller sind:
ein Mann in Feuerrot, der Frühling,
zwei Wurschtl (Kasperl), die den Winter symbolisieren,
sechzehn Schwerttänzer in den Farben Bayerns und den Farben der Stadt Traunstein

Auch wenn der Tanz jung ist fühlt es sich an wie ein heidnisches Überbleibsel, von denen es ja besonders im Brauchtum noch so viele gibt. Der Kampf gegen den Winter, wie auch immer geführt... Es erinnert mich an die Morristänzer in England, die mit Schellen und Stöcken tanzen. Mit diesem Brauch bin ich nicht so vertraut, aber es scheint ebenfalls um den Wechsel von Sommer und Winter zu gehen. Zuerst richtig darauf gestoßen bin ich bei dem Buch "Der Winterschmied" von Terry Pratchett.

Hier könnt ihr euch den kompletten Tanz ansehen (sogut ich ihn mit meinem Fotoapparat aus der Hand in zweiter Reihe stehend hingekriegt hab ;-) Mein Blog ist halt kein HD-TV ;-P



Zu diesem Video gibt es auch noch eine nette Anekdote:

Als ich auf den Beginn des Schwerttanzes wartete, setzte ich mich in den Schatten auf ein Fensterbrett neben einen netten älteren Mann. Weil ich einfach geschwätzig bin *g* kamen wir schnell ins Gespräch und unterhielten uns bald angeregt über Vor- und Nachteile der digitalen Fotografie gegenüber der analogen. Und irgendwie kam eben raus, dass er für Mikrofon und Lautsprecher hier zuständig war. Er meinte, es sei eine Art Familienerbe, da seine Familie das schon seit gut sechzig Jahren macht und immer machen wird, also eigentlich, seit der Schwerttanz wieder aufgeführt wird. Sein Großvater mütterlicherseits hatte nämlich seinerzeit die Choreografie gemacht ;-)
Da setzt man sich irgendwo hin und trifft die tollsten Leute!!!