Das Frühstücksbuffett am nächsten Morgen war herrlich, es gab wirklich alles und sogar ich als Frühstücksmuffel langte ordentlich zu. Anschließend checkten wir aus und parkten direkt an einem Aufgang der Metrostation Florenc.
Am Sonntag war Prag wie leergefegt, die Metrostationen waren so verlassen wie am Vorabend. Das kann am anhaltenden Regen ebenso gelegen haben wie an der "Stadtflucht" der die Prager laut einer Reisebroschüre am Wochenende fröhnen. Doch die Geschäfte waren allesamt geöffnet. Jenseits der Touristenmärkte gab es normale und auch sehr urige Shops und auch zwei große Frühlingsmärkte hatten ihren letzten Tag und manche warfen einem die ohnehin billige Ware zum halben Preis nach. Doch zu den Pragern möchte ich heute Abend noch ausführlicher erzählen.
Jetzt geht es erst mal um das alte Prag.

Prag ist eine sehr alte Stadt mit einer recht bewegten Geschichte, doch wenn man zwischen den alten Häusern über das Kofsteinpflaster latscht weiß man das vielleicht, aber man spürt es nicht. Die angebliche mystische Gegend mit den dunklen Gässchen war eine vielsprachige moderne Stadt, schnellebig, freundlich, hell und zugegebenermassen etwas durchnässt.
Die Kirchen waren gotisch und barock, die Häuser barock und sehr viel Jugendstil - zu meiner Freude, denn diese drei Epochen finde ich von der Architektur her am reizvollsten. Vereinzelt dazwischen fand man sehr moderne Glasbauten, die sich aber toll in das Gesamtbild einfügten.
Für den Geschichts- oder Architekturliebhaber gibt es hier an jeder Ecke etwas zu sehen und allein mit Häusergucken hätte ich viele Tage zubringen können. Ich hatte auch mein Skizzenbuch dabei, in der Hoffnung ein paar Häuserfronten zeichnen zu können, aber es gab nicht wirklich einen Ort zum Setzen und Beobachten, egal wie kurz. Ich begnügte mich mit Fotos und meinem Gedächtnis.
Ich hatte ebenfalls gehofft etwas von dem alten Zauber zu spüren - natürlich war das hoffnungslos romantisch, oder hatte ich etwa geglaubt in der Winkelgasse zu landen?
Die Innenstadt ist gespickt mit Kirchen, die genauso eingebaut sind wie alles andere, das besondere Gefühl aber, das ich schon an vielen anderen Orten bemerkt habe blieb aus, obwohl ich recht viele Straßen aufmerksam durchwanderte.
Zu viele Leute, zu viele dünne verwaschene Signaturen, ein Meer aus Gedanken, taumelnd wie Schmetterlinge. Es ist ein Großstadtgefühl, die Anwesenheit von Vielen die von da nach dort wollen, tausende verblasste Farbkürzel, blaues Moos und Asche auf den Dingen die sind.
Darunter verborgen aber liegen, da bin ich mir sicher, Generationen von Erinnerungen an Reichtum, Stolz und Hunger, Blut und Angst, der Wunsch nach Vergessen, tief begraben unter vielen bunt schillernden Zwiebelschalen aus schönen Häuserfassaden.
Ein
anderes Prag, das tief schläft.