20 April, 2010

Hexenkränze

Als ich vor fast zwei Jahren anfing symbolträchtige Türkränze an die Wohnungstür zu hängen rechnete ich fast mit bestimmten Reaktionen.
Bis auf "Hey, du hast ja ein Pentagramm an der Tür!" von einer Freundin kam aber kein Kommentar von irgendwo. So habe ich inzwischen Gefallen an recht... aufreizenden Türbaumlern gefunden, denn wenn es selbst in diesem konservativen Haus niemanden stört kann ich mich ja ruhig austoben ;-)

Seit heute ist der Herbst-/Winterkranz ab und wurde hiervon abgelöst. Das geübte Auge (und wohl auch der Laie) sieht wahrscheinlich dass ich den Kranz gleich noch mit etwas Magie "behängt" habe, wofür sind diese Kränze sonst auch gut? ;-)


Mein Mann meinte nur, dass das vielleicht endlich die Zeugen Jehovas abschreckt *g*


Der Vorgänger sah übrigens so aus


Also wenn ihr Lust auf ausgeflippte Türkränze und sonstige Deko habt, dann macht es einfach, da fragt kein Schwein danach ;-)

16 April, 2010

Prag - Etwas anders

Dies wird mein letzter Eintrag über Prag sein, danach kehrt hier wieder der Alltag mit Kochrezepten und Reden übers Wetter ein ;-) Abschliessend möchte ich eigentlich nur noch sagen:
Prag war überhaupt nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte!

Was ich zum Beispiel echt nicht erwartet hatte war, wie sehr ich mit meinen kurzen, violetten Haaren und dem etwas südlichen Teint auffallen würde. Praktisch alle Frauen und Mädchen haben dort lange Haare, oft total kaputt und ausgefranst, aber Hauptsache lang, hatte ich den Eindruck. Es gab Blonde und Brünette, rot oder schwarz habe ich gar nicht gesehen und das war echt auffällig. Dafür wimmelte es von diesen Miniröcken, die als Gürtel durchgehen könnten, trotz der eisigen Temperaturen.

Prag war zu Beginn auch erschreckend schnell, sehr kurze Grünphasen an den Ampeln, rasante Rolltreppen, flottes Tempo und hauptsächlich junge Leute. Wir rannten über die Straßen, sprangen von den Rolltreppen und verloren fast das Gleichgewicht beim Betreten. Es dauerte etwas, sich daran zu gewöhnen.

Ebenfalls eine Gewöhnungssache war die Sprache. Geschrieben sah sie einfach unaussprechlich aus und beim Zuhören, wie bei jeder vollkommen fremden Sprache wenn man sie von Muttersprachlern hört, konnte ich mir nicht viel merken und noch weniger verstehen.
Einige Metrostationen aufmerksames Lesen und Zuhören lehrten mich aber, dass tschechisch nicht (viel) anders gesprochen wird als es geschrieben ist. Nach einem halben Tag in Prag konnte ich das meiste relativ verständlich aussprechen, nach einem Tag lernte ich erste Wörter zu verstehen.


Das erste Wort das ich mir übersetzen konnte war náměstí, denn es tauchte immer an Plätzen oder Märkten an einen Namen angehängt auf. Dann - ebenfalls in der Metro beobachtet - nástup und vystup, einsteigen und aussteigen. Dobry den verstand ich auf Anhieb - Guten Tag.
Dann gibt es noch recht viele Wörter, die man sich praktisch mit dem Holzhammer übersetzen kann.

Kavárna ist ein Cafe, muzeum natürlich ein Museum, malíř ist ein Maler, víno ist Wein und so weiter...

Sollte ich wieder mal nach Prag fahren und etwas mehr Planungszeit haben werde ich mich mehr mit der Sprache beschäftigen, damit ich wenigstens ein paar Höflichkeitsbrocken beherrsche. Dass ich wieder hin fahre halte ich nicht für ausgeschlossen, denn es war zwar gewissermassen eine Wahnsinnsaktion und recht anstrengend, aber auch lehrreich, inspirierend und wunderschön!

15 April, 2010

Prag - Jugendstil mit Mucha

Für Liebhaber des Jugendstils ist Prag eine wahre Freude, überall sieht man prächtig hergerichtete Häuserfassaden und auch die wunderschönen Art Deco Schriften sieht man häufiger (nicht nur wie hier, oft unpassend für Metzger und Bäckereien verwendet *schauder*).
Die Prager wissen, was sie haben, und in jedem Souvenirshop bekommt man Holzdöschen, hölzerne Lesezeichen ect. mit Aufklebebildern des (lokal-)berühmten Künstlers und Grafikers Alfons Mucha.


So war es nicht allein der Zufall, der mich am Sonntag ins Mucha-Museum in der Nähe des Altstädter Rings brachte. Von aussen sieht es furchtbar unscheinbar aus, doch Galerien und Museen haben das eben so an sich. Die Gruppe teilte sich wieder auf weil nicht jeder bereit war ca. 6€ Eintritt zu bezahlen. Schade eigentlich, denn es ist wirklich wirklich sehenswert!


Man konnte praktisch mit der Nase an die Bilder ran und jedes Detail, jede Struktur bewundern, sehen wie das Bild aufgebaut war. Der Farbauftrag war sehr spannend für mich, Mischtechniken mit Graphit und weißer Tusche(?), Kreide über Wasserfarben, Outlines auf Extrabögen und ich bin mir sicher, dass er Farbe mit den Fingern aufgetupft hat, weil ich Papillaren in den Mustern erkennen konnte.

Die Ornamentik ist sehr gelungen und man sieht, dass er sich damit befasst hat, die Pflanzen sind wunderbar wiedergegeben. Allein die Bilder zu betrachten bringt einem vieles bei und ich fand neue Inspiration und Techniken, die ich zukünftig verwenden möchte.

Die Bilder sind voller Anmut, Mystik und genauer Naturbeobachtungen. Besonders toll fand ich seine Studien und die Tageszeiten, Jahreszeiten und die düsteren Mondbilder.

Prag - Der schlechte Ruf


Es ist denke ich kein Geheimnis, dass Prag einen richtig schlechten Ruf hat. Ein Gerücht, einmal in die Welt gesetzt hält sich eben hartnäckig.
Der Entschluss zu fahren kam zwar so spontan wie ein Sommergewitter, aber geschwärmt habe ich ja schon etwas länger und erhielt überall die gleichen Aussagen.

Warum nach Prag fahren, da wimmelt es doch nur vor Taschendieben.
Die Straßen dort sind nicht sicher.
Alle wollen einem aufs aggressivste irgendwelchen Schund andrehen.
Dort wird garantiert dein Auto geklaut oder zumindest alles abgebaut was nicht niet- und nagelfest ist.
Eine dreckige gefährliche Stadt im Osten.

Realitäts-check:

Der erste Unterschied fiel mir in der Metro auf. Es war top-sauber, alle Lichter gingen, es gab Deckenverkleidung und es fehlte der Gestank von Diesel, verbrauchter Luft und Urin. Auch die Straßen sind sehr sauber und alle Automaten für Tickets funktionieren .

Leider vergeblich sucht man offen aushängende Stadt- und Straßenkarten, selbst mitnehmen ist ratsam.

Alle Prager denen ich begegnet bin waren ausgenommen höflich, freundlich und hilfsbereit. Viele sprechen ausgezeichnet englisch und sogar deutsch und halten sogar mal ein Schwätzchen mit einem.

Niemand hat versucht die dummen Ausländer um Wechselgeld zu betrügen.

Niemand wollte uns etwas andrehen, wie ich es schon in deutschen Großstädten erlebt habe.

Niemand hat den Versuch unternommen uns um unser zahlreiches und ungesichertes Gepäck zu bringen, das Auto aufgebrochen, Radkappen geklaut oder sonstiges.

Selbst in Menschenmengen halten alle respektvollen Abstand, kein Gerempel oder Gedränge in dem man Angst um seine Geldbörse haben müsste.

Spätabends sieht man nicht die üblichen Gruppen, die sich in Gassen rumdrücken, betrunken rumgröhlen und einen dumm anmachen. Man wird in Ruhe gelassen oder sogar freundlich unterstützt, einfach so.

Das Essen und Trinken ist übrigens auch absolut in Ordnung, sehr lecker, und übrigens ist der Service um einiges besser als in heimischen (bayrischen) Lokalen.

Allgemein sollte klar sein, dass man seine Sachen nicht unbeobachtet rumliegen lässt, denn Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Diese peinlichen Bauchtaschen oder andere schräge Verstecke braucht man aber sicher nicht.

14 April, 2010

Prag - Magische Strassen

Das Frühstücksbuffett am nächsten Morgen war herrlich, es gab wirklich alles und sogar ich als Frühstücksmuffel langte ordentlich zu. Anschließend checkten wir aus und parkten direkt an einem Aufgang der Metrostation Florenc.

Am Sonntag war Prag wie leergefegt, die Metrostationen waren so verlassen wie am Vorabend. Das kann am anhaltenden Regen ebenso gelegen haben wie an der "Stadtflucht" der die Prager laut einer Reisebroschüre am Wochenende fröhnen. Doch die Geschäfte waren allesamt geöffnet. Jenseits der Touristenmärkte gab es normale und auch sehr urige Shops und auch zwei große Frühlingsmärkte hatten ihren letzten Tag und manche warfen einem die ohnehin billige Ware zum halben Preis nach. Doch zu den Pragern möchte ich heute Abend noch ausführlicher erzählen.
Jetzt geht es erst mal um das alte Prag.


Prag ist eine sehr alte Stadt mit einer recht bewegten Geschichte, doch wenn man zwischen den alten Häusern über das Kofsteinpflaster latscht weiß man das vielleicht, aber man spürt es nicht. Die angebliche mystische Gegend mit den dunklen Gässchen war eine vielsprachige moderne Stadt, schnellebig, freundlich, hell und zugegebenermassen etwas durchnässt.
Die Kirchen waren gotisch und barock, die Häuser barock und sehr viel Jugendstil - zu meiner Freude, denn diese drei Epochen finde ich von der Architektur her am reizvollsten. Vereinzelt dazwischen fand man sehr moderne Glasbauten, die sich aber toll in das Gesamtbild einfügten.

Für den Geschichts- oder Architekturliebhaber gibt es hier an jeder Ecke etwas zu sehen und allein mit Häusergucken hätte ich viele Tage zubringen können. Ich hatte auch mein Skizzenbuch dabei, in der Hoffnung ein paar Häuserfronten zeichnen zu können, aber es gab nicht wirklich einen Ort zum Setzen und Beobachten, egal wie kurz. Ich begnügte mich mit Fotos und meinem Gedächtnis.

Ich hatte ebenfalls gehofft etwas von dem alten Zauber zu spüren - natürlich war das hoffnungslos romantisch, oder hatte ich etwa geglaubt in der Winkelgasse zu landen?
Die Innenstadt ist gespickt mit Kirchen, die genauso eingebaut sind wie alles andere, das besondere Gefühl aber, das ich schon an vielen anderen Orten bemerkt habe blieb aus, obwohl ich recht viele Straßen aufmerksam durchwanderte.

Zu viele Leute, zu viele dünne verwaschene Signaturen, ein Meer aus Gedanken, taumelnd wie Schmetterlinge. Es ist ein Großstadtgefühl, die Anwesenheit von Vielen die von da nach dort wollen, tausende verblasste Farbkürzel, blaues Moos und Asche auf den Dingen die sind.

Darunter verborgen aber liegen, da bin ich mir sicher, Generationen von Erinnerungen an Reichtum, Stolz und Hunger, Blut und Angst, der Wunsch nach Vergessen, tief begraben unter vielen bunt schillernden Zwiebelschalen aus schönen Häuserfassaden.
Ein anderes Prag, das tief schläft.

Prag - Bei Nacht

Nach einem letzten stürmischen Regenschauer kurz vor der Dämmerung

Als es dunkel wurde und uns die Füße wehtaten suchten wir die nächste Metrostation auf, fuhren zum Hotel und checkten ein. Die Betten waren ja so weich, das Duschen tat so gut, das Bad war geräumig und bot alles um sich einmal rund zu erneuern. Wäre das nicht die einzige Nacht in Prag gewesen, mich hätten keine zehn Pferde mehr aus dem Hotelzimmer bekommen.

Ein Teil der Gruppe wollte noch zum nahegelegenen Chinesen, Abendessen, den anderen Teil lockten die vielen Jazzcafes die auf Schildern Liveveranstaltungen für den Abend angekündigt hatten. Wir teilten uns auf, denn für beides war der Abend zu kurz. Die Prager Metro fährt nur bis zwölf und wir wollten nicht riskieren die Letzte zu verpassen.

Es nieselte etwas und es ging ein eisiger Wind, also beschlossen wir ein Cafe in Metronähe zu finden. In den Stationen war nicht mehr viel los und die Metro kam in viel längeren Abständen, wir wurden zunehmend nervös und beratschlagten von wo aus wir am schnellsten ein Lokal finden könnten. Wir müssen recht ratlos und verloren gewirkt haben, denn eine blonde Frau in mittleren Jahren sprach uns plötzlich auf - wahrscheinlich tschechisch - an und drückte uns je einen Fahrplan in die Hand. Sie klang sehr nett und wir bedankten uns auf deutsch und englisch.

Der Plan war an jeder einladend wirkenden Station auszusteigen und zu sehen ob irgendwas Vielversprechendes in der Nähe wäre. Das war dumm, macht es nicht nach! Sucht euch am Tag ein passendes Lokal und seid früh genug da, denn die Straßen sind verdammt dunkel und in die besseren Lokale kommt man nach neun kaum noch rein.

Ich machte ein paar Nachtfotos, damit das Abenteuer im Dunkeln nicht ganz für die Katz war und wir fuhren zurück ins Hotel um auszuschlafen. Ein warmes Bett war einfach viel verlockender als der eisige Wind der einem draussen um die Nase pfiff.

13 April, 2010

Prag - Bitte kein Sightseeing!

Ich war noch nie für Standard-Touristerei mit Stadtrundfahrt zu allen Sehenswürdigkeiten, Kirchenbesichtigung und anschliessendem Postkartenkaufen zu haben. Schließlich möchte ich ja eine Stadt erleben und nicht durch ein riesiges Kaufhaus geschleust werden. Eine ruhige Galerie, ganz durch Zufall entdeckt und erstaunlich schlecht besucht, war genau das was ich mir erhofft hatte. Es gab verschiedene Stile unterschiedlicher Künstler, recht viel kubistisch Angehauchtes, was jetzt nicht so meins ist, aber auch unglaublich lebendige Strichzeichnungen und realistische Ölmalereien. Ein paar Kniffe habe ich mir natürlich auch abgeguckt um sie später selbst mal anzuwenden wenn es sich ergibt ;-)

Wenn man vollkommen unvorbereitet in einer fremdsprachigen Metropole herumstreunt kann man sich herrlich verlaufen und Prag ist dafür praktisch prädestiniert. Trotzdem ist es egal wohin man läuft, man kommt immer irgendwo an wo es interessante Architektur, Cafes oder Stände gibt.
Der schubweise Regen trieb uns von Laden zu Laden (man glaubt gar nicht wie viele Absinthshops und Jazzcafes man praktisch an jeder Straßenecke findet) , und so wanderten wir immer höher und höher, bis man zwischen vielen prunkvollen Gebäuden stand und so ziemlich die ganze Stadt überblicken konnte. Das Wetter spielte auch gerade mit.

Prag - In der Fremde


Gewissermassen sind alle Großstädte gleich, egal wo man ist. Die Menschen sind gleich, die Häuser und Straßen. Dass man fremd ist merkt man erst wenn man die Sprache nicht spricht, nicht weiß wo man ist, nicht die akzeptierte Währung hat, der Bauch knurrt, die Füsse schmerzen und es anfängt zu regnen. Das war etwa gegen vier...

Das schleichende Gefühl der Verlorenheit wich erst als wir eine Wechselstube fanden und genug Geld umtauschten um etwas zu essen zu kaufen. Unglücklicherweise hatte der Straßenhändler genauso schlechte Englischkenntnisse wie die Bestellenden tschechisch sprachen und nach viel Gefuchtel warteten wir gespannt was wir bekommen würden. Es war vegetarisch, gesund und viel - Glück gehabt.

Dann hatte ich meine erste Begegnung mit den Souvenirhändlern. Zuerst noch neugierig stellte ich jedoch bald fest dass eigentlich fast alle dasselbe anboten: Schals und Regenschirme, hässliche mit Glitzersteinen beklebte Flaschen, Glasschmuck, Glastierchen und billig gefertigte Holzschatullen. Fünf Läden nebeneinander hatten ein identisches Sortiment also verlegten wir uns auf Läden die nichts davon anboten, die waren weitaus spannender.

08 April, 2010

Cut

Ohne Zögern oder Reue habe ich mich heute von meinen langen Haaren getrennt. Vor dem Friseurbesuch gingen sie mir gut bis zur Taille, jetzt ist der Nacken frei und ich habe einen hübschen asymmetrischen Bob verpasst bekommen. Jahrelang aufgebautes Vertrauen zu meinem Stammfrisör hat dabei sicher mitgespielt.
Morgen, wenn die Teststrähne gut aussieht, kommt noch knallige Farbe rein und dann kann der Sommer kommen.

Ich kann mich nicht erinnern je so kurze Haare gehabt zu haben, aber es fühlt sich gut an und ich bin total glücklich damit. Wenn sich eine Frau verändern will, so ändert sie zuerst ihre Frisur, sagt man. Und ich will mich tatsächlich verändern, weg von dem was ich durch anerzogene Muster, Zwänge und Denkfehler bin, hin zu dem was ich gerne wäre. Nichts ist so einfach zu ändern wie man selbst.
Ich habe mich schon immer verändert, rasend schnell und wie ein Chamäleon, nur in letzter Zeit bin ich irgendwie stehengeblieben und das tut mir nicht gut. Stillstand ist unser Tod, wie schon Blaise Pascal wusste, und eine Windreiterin sollte sich auch dran halten.